Religiöse Erziehung: Luther über das "Ein-Bilden" der Schutzengelvorstellung
Martin Luther schilderte einmal in einer Predigt im Jahr 1531, wie man kleinen Kindern die Vorstellung von Schutzengeln nahe bringen könne. Er sagt in eindrucksvollen Worten, die von der Erfahrung eigener Vaterschaft gesättigt sind:
„Also soll ich bald von jugend auff ein Kind gewehnen, das ich zu jm sage: Liebes Kind, du hast einen eigen Engel, wenn du des morgens und des abends betest, wird derselbig Engel bei dir sein, wird bey deinem Bettlein sitzen, hat ein weisses Röcklein an, wird dein pflegen, dich wiegen und behüten, daß der böse Mann, der Teufel, nicht zu dir kommen könne. Item wenn du das Benedidite unnd Gratias gerne sprechen wirst für dem Tische, wird dein Engelein bey dem Tische sein, dir dienen, wehren und wachen, daß dir kein ubels widerfare und das dir die Speise wol bekomme. Wenn man solchs den Kindern einbildete [!], so würden sie von jugend auff lernen und gewohnen, daß die Engel bey ihnen sein ...“.
Sehr treffend redet Luther hier davon, dass man solche religiösen Vorstellungen den Kindern „ein-bilden“ solle. Auch wenn wir Luthers Sprache, Theologie und Bildwelt nicht einfach 1:1 übernehmen können, geht es auch heute noch darum, die von ihm gemeinte Sache zum klaren Ausdruck zu bringen und die von ihm genannte Aufgabe zu erfüllen: Kinder religiös zu erziehen, sie also zu bilden nach dem Urbild Jesu Christi.